II.
(Bei Peters Rückkehr aus Afrika, Juni 1893, für die Ortsgruppe Berlin des Deutſchen Verbandes gedichtet.)
Und wieder biſt du uns zurückgegeben
Mit friſchem Lorbeerzweig geſchmückt,
Den du nach Kampfesnot und ernſtem Streben
In Friedensarbeit dir gepflückt.
In unſern Augen der leuchtende Schein
Heißt dich willkommen in unſeren Reih’n.
Wie mancher Edle iſt dahingeſunken,
Dem tödlich ward der Drang zum Licht!
Du haſt den Reiz der Tropenwelt getrunken
Und unterlagſt dem Zauber nicht.
Fürder für höhere Ziele bewahrt
Ward deine deutſche und kernige Art.
Heut ſchlingt der Frohſinn, der uns lang gemieden,
Um uns ſein feſtlich heitres Band.
Seitdem du fortgingſt, ſchien faſt abgeſchieden
Die Freude aus dem Vaterland.
Am Horizonte, da zog ſich herauf
Düſterer Wolken umdräuender Hauf.
Der alte Erbfeind unſrer deutſchen Raſſe,
Die Zwietracht, hebt ihr Haupt voll Hohn;
Der Neid, die Schelſucht ſtacheln auf zum Haſſe
Die beſten Männer der Nation.
Ernſt ſchaut dem Toſen der Kämpfenden zu
Einſam der Alte in Friedrichsruh.
Wie kräftig lenkte ſeine Hand das Steuer
Durch Wogenſchwall und Felſenriff.
Heut aber führt ein andrer Lauf, ein neuer,
Auf neue Bahn des Staates Schiff;
Brandung umtobt und von Donner umkracht
Treibt es dahin durch die ſtürmende Nacht.
Die Mannen hüllen ſich in zaghaft Schweigen,
Die alten Kämpfer deckt das Grab.
Wird ſich der Heldenſtamm mit neuen Zweigen
Umgrünen? Starb die Wurzel ab?
Soll unſre Größe hinab in den Staub
Sinken, der feigen Entſagung zum Raub?
Da ſchau’n wir dich, den Kämpfer unverdroſſen,
Karl Peters, und die Traurigkeit
Entfleucht; ein Stamm, dem ſolcher Trieb entſproſſen,
Iſt nicht dem Untergang geweiht.
Sei uns ein Zeichen, daß Deutſchland im Mark
Kräftig und jung, und die Wurzel noch ſtark.
Wir zagen nur, bis ſich die Feinde blähen;
Dann reckt die Flügel aus der Aar,
Und neue Helden werden uns erſtehen
Im Augenblicke der Gefahr:
Was wir erkämpften mit unſerem Blut,
wahren wir treu, unſer teuerſtes Gut.
aus: Kurt Hoffmann,
Deutſche Lieder und Geſänge. Dresden 1905