Einige Stimmen aus der Diskussion von 1994
In der Diskussion damals spielte eine Rolle die angebliche
Rehabilitation des Carl Peters in Bezug auf die Todesurteile 1896 im Jahre 1907.
1994-05-30: „Als gebürtigte Neuhäuserin (21.10.1924-) möchte ich bekunden, daß es Dr. Carl Peters gebührt, daß der Gedenkstein wieder vor seinem Elternhaus aufgestellt wird.
Für entstehende Kosten, die bestimmt sind, die Erinnerung an diesen namhaften Mann wach zu halten, bin ich gern bereit mich zu beteiligen.“ (Brief von Elisabeth Vogel,
Archiv EvNe, Brief 03.)
1994-06-16: „Der Kirchenkreisvorstand hat deswegen in seiner letzten Sitzung über diese Absicht beraten und ist zu dem Ergebnis gekommen, dem Kirchenvorstand einstimmig zu empfehlen, auf die Aufstellung des Gedenksteines zu verzichten, da aus der Aufstellung des Steines eine Identifizierung des Kirchenvorstandes und damit auch der Kirchengemeinde mit der damaligen Haltung herausgelesen werden könnte.“ (Brief vom Ev.-luth. Kirchenkreis Bleckede an den Kirchenvorstand der Ev.-luth. Kirchengemeinde Neuhaus,
Archiv EvNe, Brief 02.)
1994-06-24: „Mit Hilfe dieser Materialien, insbesondere dem Beweis seiner Rehabilitation im Juli 1907, wird es uns wesentlich besser gelingen, die Argumente gegen eine Wiederaufstellung seines Gedenksteines erfolgreich zu widerlegen.“ (Brief von Pastor Härke an O.W. in Neustadt a.d.W,
Archiv EvNe, Brief 01.)
1994-05-25"Die CDU des Amtes Neuhaus sieht sich veranlaßt, nachdem völlig unnötigerweise der Name „Carl Peters" in die Schlagzeilen geraten ist und in polemischer Weise debattiert wird, eine Stellungnahme abzugeben. Eine konservative Partei kann zur Geschichte ihres Landes und erst recht zur Geschichte ihres Heimatortes nur eine unmißverständliche Meinung haben.
Carl Peters ist in Neuhaus geboren und hat als Bürger unseres Amtes ein Stück deutscher Geschichte geschrieben! Er war zu seiner Zeit eine
Persönlichkeit des Deutschen Reiches. Die Neuhauser Bürgerschaft war stolz auf den Sohn aus ihrer Mitte, was sie nachweislich häufig zum Ausdruck brachte. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm ein Gedenkstein an seinem Geburtshaus, dem Pfarramt zu Neuhaus 1931, gesetzt. Neben diesem Stein wurde eine Tafel zum Gedenken an Dr. Carl Peters gestiftet.
Wie immer man seine Aktivitäten in deutschen Kolonien aus heutiger Sicht beurteilen mag, so bleibt Carl Peters der prominenteste Bürger in der Geschichte unseres Ortes. Mitglieder der kommunistischen Partei und der geheimen Staatspolizei haben gemeinsam veranlaßt, daß der Gedenkstein verschwand. Die Gedenktafel haben Neuhauser Bürger vor ihrem Zugriff bewahrt.
Um so selbstverständlicher sollte es sein, daß Stein und Tafel heute an seinem Geburtshaus wieder aufgestellt werden. Welche gewählte
Volksvertretung wollte heute wohl eine frühere freie Entscheidung aus dem Jahre 1931 aufheben, auch unter dem Vorbehalt unseres Geschichtsverständnisses?
Die CDU-Fraktion setzt auf die Wiederaufstellung des Gedenksteines, nicht .nur, weil die Nationalsozialisten Carl Peters für ihre Expansionsgelüste mißbrauchten und die Kommunisten die Erinnerung an ihn unter der Erde vergruben, sondern weil die Bewertung deutscher und
europäischer Kolonialpolitik längst entschieden ist und durch Neuhauser Sicht keiner neuen Aufarbeitung bedarf. Die CDU-Fraktion wird diese Sichtweise dem Rat unterbreiten.
Da der Hinweis des Steines und der Tafel auf die Geburt und den Geburtsort Dr. Carl Peters ein legitimer Vorgang einer früheren demokratischen Umgebung war, kann es heute nur unverständlich erscheinen, wenn ein sogenanntes demokratisches Gewissen einiger Neuhauser das Aufstellen einer Hinweistafel und eines Steines nicht zuläßt.
Die CDU-Fraktion der Gemeinde Amt Neuhaus" (nach dem Text in der
Schweriner Volkszeitung 1994-05-25)
1995-11-25 "Mit großem Entsetzen habe ich erfahren, daß in Neuhaus an der Elbe ein Gedenkstein für Carl Peters wiedererrichtet worden ist [...]. Für viele demokratisch gesinnte Menschen in unserem Lande muß das als ein Schlag ins Gesicht empfunden werden, der auch durch eine zusätzlich angebrachte Tafel nicht gemildert wird. [...] Der Text auf der Gedenktafel in Neuhaus lädt nicht zu angemessenem Gedenken, gar zu kritischen und mahnendem Nach-Denken ein, da er nicht einmal andeutungsweise einen Hinweis enthält, warum denn „diese Kolonialpolitik ein Irrweg" war und warum die „Persönlichkeit Dr. Carl Peters umstritten" ist. Im Vordergrund bleibt der bombastische Gedenkstein mit der immer noch lesbaren Aufschrift, nicht die kleine relativierende Zusatztafel. [...] Hartwig Sassenberg, Mülheim an der Ruhr" (aus einem Leserbrief in der
Schweriner Volkszeitung)