Carl Peters und sein Geburtsort Neuhaus/Elbe
Der Zweck der Kolonialpolitik „ist und bleibt aber schließlich die rücksichtslose und entschlossene Bereicherung des eigenen Volkes
auf anderer schwächerer Völker Unkosten.“ (Aus: Kolonialpolitik und Sozialismus. II. In: Kolonial-Politische Correspondenz. 2. Jg., Nr. 3 - 1886-01-16, S. 1 - Autor wahrscheinlich Carl Peters)
Oder mit leicht moderateren Worten:
„Kolonisation, ganz gleichgültig, ob es sich um Plantagen oder Ansiedlerkolonien handelt, heißt Nutzbarmachung des Bodens, der Schätze, der Flora und Fauna und vor allem der Menschen zu Gunsten der Wirtschaft der kolonisierenden Nation, und diese ist dafür mit der Gegengabe ihrer höheren Kultur, ihrer sittlichen Begriffe, ihrer besseren Methoden verpflichtet.“
(Bernhard Dernburg im Deutschen Reichstag, 1908-03-18. 125. Sitzung, S. 4056)
Pastor-Peters-Apfel oder Hänge-Peters-Apfel?
1912 eröffnet Ernst Quade in der Neuen Molkereistraße eine Baumschule. (Hagen 1994, Bild 16) Später hat er in seinem Sortiment den "Karl-Peters-Apfel" - ab wann, ist aber unklar. Ein Prospekt seiner Firma - evtl. aus den 20er Jahren - führt die Sorte noch nicht auf - aber ein Foto des Chefs!
Ernst Quade ca. 1925 Der Apfel wird auch heute noch in Neuhaus und drum herum angebaut. Der Streuobstwiesenverein Lüneburg startete 2017 mit der Naturführerin Sabine Wittkopf ein neues Sortenerhaltprojekt im Amt Neuhaus zu diesem Apfel.
Dort heißt es zum Namensgeber: "Karl Peters war Pastor im 19. Jahrhundert in Neuhaus und sehr beliebt. Deshalb benannte die ortsansässige Baumschule eine Eigenzüchtung nach ihm und der „Karl-Peters-Apfel“ war geboren."
Unter dem Titel "Apfel ohne Unhold. Carl-Peters-Apfel" beschreibt Eckart Brandt in seinem Buch Die alten Sorten auf S. 61f dieses Obst und nennt als Namensgeber Carl Peters jun.: "Ein Apfel mit einem peinlichen Namenspatron: Was tun, wenn eine schöne Lokalsorte nach einem berüchtigten deutschen Kolonial-Unhold in Ostafrika benannt ist?
Der Apfel ist unschuldig. Er kann nichts dafür, dass man ihm den Namen dieses Kolonial-Unholden übergehängt hat. Vielleicht sollte man ihn auch umbenennen wie all die vielen Carl-Peters-Straßen in Lüneburg, Soltau, Hannover, Hildesheim und anderen Städten, die nun unschuldigere Namen tragen."
Allerdings ist der Text von Eckart Brandt alles andere als zuverlässig, Quellen werden auch nicht genannt. So schreibt er z.B.: "In Neuhaus errichtete man seinerzeit dem »großen Sohn« des Ortes ein Denkmal, das man 1945 vor dem Einmarsch der russischen Truppen an sicherer Stelle verscharrte. Ein Vorstoß, das Denkmal nach dem Ende des Sozialismus wieder aufzustellen, fand keine Mehrheit." Daran ist nun fast alles falsch ... Foto: Jens Meyer
Eine etwas zuverlässigere Quelle ist wohl Thea Peters, die Witwe von Carl Peters jun., die in einem Brief vom Oktober 1931 kurz nach der Einweihung des Peters-Steins in Neuhaus schreibt: "Heute habe ich den „Dr. Carl Peters-Apfel“ kennen gelernt, eine ganz neue Sorte, die hier gezüchtet wurde. Der Apfel – ich bekomme 4 geschenkt – ist groß und schön und hat liebe rote Bäckchen. Er ist noch nicht ganz reif, soll einen pikanten Geschmack haben. Er hält sich bis April. Sollten Sie sich dafür interessieren, den Apfel in Ihrem Garten anzupflanzen, so können Sie von der Gärtnerei des Herrn Quade, Neuhaus a.d. Elbe, an der neuen Molkerei, Bäumchen beziehen." (Geschrieben im Hotel Hannover in Neuhaus - Wolff 2005, S. 37)
Letzte Klarheit über die Frage, ob der Namensgeber Carl Peters, Pastor in Neuhaus oder Carl Peters, gn. "Hänge-Peters" war, ist wohl noch nicht in Sicht.
Eine aktuelle Sortenbeschreibung:
Jens Meyer auf Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt